Nur durch eine rechtzeitige und nachhaltige
Planung und Realisierung neuer Kapazitäten für den
Seegüterumschlag kann Deutschland als Exportweltmeister
auch in Zukunft an den weltweiten Handelsströmen partizipieren.
Die Wertschöpfung durch die Seehäfen an Ost- und
Nordsee wird sich nur sichern und steigern lassen, wenn die
Weichen hierfür frühzeitig gestellt werden.
Diese Schlussfolgerung zogen die norddeutschen Regierungschefs
in einem Gespräch mit Bundesverkehrsminister Wolfgang
Tiefensee heute (06.03.08) in Berlin. Bremens Bürgermeister
Jens Böhrnsen, Vorsitzender der Konferenz Norddeutschland
(KND): „Wir sind uns darüber einig, dass die
Hafenhinterlandverkehre höchste Priorität haben.
Dabei steht der Ausbau der Schienenwege wie Wilhelmshaven/Oldenburg
und der Y-Trasse sowie der Fernstraßen wie der Ausbau
der A 1 oder der Hafenquerspange in Hamburg ganz oben auf
der Agenda, genauso wie die Anbindung an den boomenden Ostseeraum
eine große Herausforderung darstellt. Die norddeutschen
Länder haben in dieser Hinsicht ihre Hausaufgaben gemacht,
wir haben große Investitionen in unsere Häfen
getätigt.“
"Die A 20 als Ost-West-Magistrale dient auch zur Verbesserung
der Anbindung Skandinaviens an Zentral- und Westeuropa und
schafft zusammen mit der A 22 in Niedersachsen eine optimale,
leistungsfähige und sichere Hinterlandanbindung für
die norddeutschen Seehäfen. Infolge des Ausbaus dieser
Verkehrsachse wird die überregionale als auch regionale
Erreichbarkeit nachhaltig verbessert und damit auch der
Grundstein für ein erfolgreiches Wachstum von Wirtschaft
und Beschäftigung in den strukturschwachen Gebieten
von Schleswig-Holstein und Niedersachsen gelegt", sagte
Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Peter Harry Carstensen.
Kernelemente des Ausbaus der Hafenhinterlandverkehre im
Bahnnetz sind die Y-Trasse inklusive ihrer Anbindung an
die Knoten Hamburg, Bremen und Hannover, die Anbindung des
Jade-Weser-Ports durch den Ausbau der Strecke Wilhelmshaven-Oldenburg
und Langwedel-Uelzen und der Ausbau der Bahnknoten Hamburg
und Bremen sowie die Hafenhinterlandanbindungen in Mecklenburg-Vorpommern,
insbesondere die Strecke Rostock-Berlin.
„Die kürzesten, effektivsten und praktischsten
Transportwege im Nord-Süd-Verkehr verlaufen über
die Ostsee und bringen den Häfen in Mecklenburg-Vorpommern
bis 2025 stark steigenden Güterumschlag. Nur mit einem
zügigen Ausbau der Hinterlandanbindungen kann Mecklenburg-Vorpommern
angemessen auf das wachsende Transportaufkommen reagieren
und diese Entwicklung zum Vorteil des Landes nutzbar machen“,
erklärte Ministerpräsident Dr. Harald Ringstorff.
Die norddeutschen Regierungschefs und Bundesverkehrsminister
Tiefensee bekräftigten ihre gemeinsame Haltung gegenüber
der Deutsche Bahn AG, dass diese eine wichtige Rolle bei
der Planung und dem Ausbau der oben genannten Bahnstrecken
spielt und aktiv an deren Ertüchtigung mitwirken muss.
Die Gesprächsteilnehmer wollten darin auch einen Appell
an die Bahn AG sehen, z.B. die Planung und Umsetzung der
Y-Trasse aktiver als bisher voranzutreiben.
Ebenfalls konnte in dem Gespräch erneut herausgestellt
werden, dass auch die gemeinsam als besonders prioritär
herausgestellten Maßnahmen im Bereich der Bundesfernstraßen
dringlich umzusetzen sind.
Im Gespräch mit dem Bundesminister wurde darauf hingewiesen,
dass die bis 2015 zu Grunde gelegten prognostizierten Verkehrszuwächse
beim Containerverkehr über die deutschen Seehäfen
bereits im Jahre 2005 erreicht und der Plan soweit schon
kurz nach seiner Verabschiedung überholt war. Ursache
war die sehr viel dynamischer verlaufende Entwicklung des
Übersee-Containerverkehrs als Folge der Globalisierung
der Märkte.
Seeseitig wurde auf diese Entwicklung bisher durch die Ausbaumaßnahmen
der Containerhäfen Hamburg, Bremerhaven und die Neukonzeption
eines Tiefwasserhafens in Wilhelmshaven angemessen reagiert.
Landseitig sind ebenfalls immense Anstrengungen zur Abwicklung
der weiterhin dynamisch wachsenden Gütermengen notwendig.
Dies belegen die Ergebnisse aller bisher angefertigten Prognosen
und Gutachten.
In den Haushaltsberatungen 2008 hat der Bundestag, auch
als Ergebnis der gemeinsam von den norddeutschen Ländern
vorgetragenen Argumente, einen neuen Titel zur Beseitigung
von Engpässen im Güterverkehr auf der Schiene
eingerichtet, in dem neben 25 Mio. € Investitionsmitteln
in 2008 weitere 230 Mio. € als Verpflichtungsermächtigungen
für die Folgejahre eingestellt wurden. Diese Mittel
sind gezielt in die verabredete Liste vordringlicher Maßnahmen
zur Hafenhinterlandanbindung zu investieren.
Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff sagte
abschließend: „Der deutsche Container-Tiefwasserhafen
JadeWeserPort wird wegen der immer größeren Containerumschlagmengen
und vor allem wegen der Entwicklung der Großschiffe
immer wichtiger. Deshalb müssen der durchgehend zweigleisige
Ausbau und die Elektrifizierung der Bahnstrecke Wilhelmshaven-Oldenburg
vor Inbetriebnahme des Hafens abgeschlossen sein. Daneben
sind die Küstenautobahn A 22 in Verbindung mit der
Elbtunnelung bei Stade und der A 20 in Schleswig-Holstein
und Mecklenburg-Vorpommern für die Entwicklung aller
norddeutschen Seehäfen und die industrielle und gewerbliche
Entwicklung im Nordwesten von herausragender Bedeutung.“
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