Mit vereinfachten Genehmigungsverfahren
gegen die Investitionsblockade im Kraftwerksbau -
CO2-Gebäudesanierungsprogramm aufstocken, Mietrecht
anpassen -
Engpässe im deutschen Verkehrsnetz beseitigen
"Die Politik darf der sich in
Deutschland abzeichnenden Investitionsblockade im Kraftwerksbau
nicht länger tatenlos zusehen." Diese Auffassung
vertrat kürzlich in Berlin der Präsident des Hauptverbandes
der Deutschen Bauindustrie, Prof. Dr. Hans-Peter Keitel,
in seiner Jahrespressekonferenz zum "Tag der Deutschen
Bauindustrie 2008". Keitel
empfahl, für die Volkswirtschaft besonders bedeutsame
Energieversorgungsprojekte mittels vereinfachter Genehmigungsverfahren
auf den Weg zu bringen. Dazu müssten - ähnlich
wie beim Infrastruktur-Planungsbeschleunigungsgesetz - die
entsprechenden rechtlichen Grundlagen geschaffen werden.
Keitel warnte davor, die großen Potenziale zur CO2-Einsparung,
die in der Modernisierung der Energieerzeugung stecken,
ungenutzt zu lassen. Wichtig seien die Modernisierung der
Stein- und Braunkohlekraftwerke, die Förderung der
erneuerbaren Energien, insbesondere von Windkraft und Geothermie,
sowie die Entwicklung neuer Kraftwerksgenerationen, z.B.
der CCS-Technik. Leider habe jedoch der politische Widerstand
und die mangelnde Akzeptanz in der Bevölkerung dazu
geführt, dass bis heute acht Kraftwerksprojekte abgesagt
worden seien, weitere vier vor dem Aus stünden. Selbst
die staatliche Energieagentur "dena" befürchte,
dass in Deutschland 2020 etwa 15 konventionelle Großkraftwerke
fehlen werden.
Erhebliche CO2-Einsparpotenziale sieht Keitel aber auch
im Gebäudebereich. Die deutsche Bauwirtschaft könne
mithelfen, dieses Potenzial durch die Sanierung älterer
Wohngebäude auf einen 7-Liter-Standard, die Nutzung
des Energeieinspar-Contractings, die Isolierung bzw. Dämmung
von Gewerbe-, Büro- und Handelsimmobilien sowie die
energetische Sanierung öffentlicher Gebäude zu
heben. Allerdings sei dazu ein gewaltiger finanzieller Kraftaufwand
notwendig. Mit der Auflage des CO2-Gebäudesanierungsprogramms
habe die Bundesregierung zwar signalisiert, dass sie es
mit der energetischen Sanierung des Gebäudebestandes
ernst meine. Bei einer Sanierungsquote von 2,5 % käme
allerdings bis 2020 gerade einmal jede 12. bis 13. Wohnung
in den Genuss der Förderung. Keitel sprach sich deshalb
dafür aus, das CO2-Gebäudesanierungsprogramm aufzustocken
und bis 2020 fortzuschreiben. Gleichzeitig forderte Keitel
die Bundesregierung auf, das deutsche Mietrecht für
die energetische Sanierung des Gebäudebestandes "fit"
zu machen. Private Vermieter wie auch Wohnungsbaugesellschaften
hätten nach wie vor Probleme, die Modernisierungskosten
an ihre Mieter weiterzugeben. Keitel forderte den Gesetzgeber
auf, den Grundsatz, dass Einsparungen bei den Energiekosten
mit Aufschlägen auf die Kaltmiete verrechnet werden
können, im Mietrecht zu verankern.
Bei aller Euphorie über die Erfolge der energetischen
Sanierung dürfe jedoch nicht übersehen werden,
was die Beseitigung von Engpässen im deutschen Verkehrswegenetz
zur Erreichung der Klimaschutzzeile beitragen könne,
forderte Keitel. Nach wie vor würden täglich etwa
30 Mio. Liter Kraftstoff im Stau verschwendet. Für
die Volkswirtschaft bedeute dies einen Verlust von 50 Mio.
Euro täglich, für das globale Klima eine zusätzliche
Belastung von täglich über 70.000 Tonnen CO2-Ausstoß.
Die deutsche Bauindustrie sehe deshalb in der Beseitigung
von Engpässen im deutschen Verkehrsnetz einen praktischen
Beitrag zum Klimaschutz, erläuterte Keitel. Die geplante
Aufstockung der Investitionslinie "Verkehr" auf
10,2 Mrd. Euro für 2009 und auf durchschnittlich knapp
10 Mrd. Euro jährlich für den Zeitraum der Mittelfristigen
Finanzplanung 2009 bis 2012 sei ein "wichtiger Schritt
in die richtige Richtung", dem allerdings in der nächsten
Legislaturperiode weitere folgen müssten. Keitel sprach
sich in diesem Zusammenhang für eine Umstellung der
Verkehrswegefinanzierung von der Haushalts- auf die Nutzerfinanzierung,
den Aufbau eines eigenständigen Finanzierungskreislaufes
für den Ausbau und die Erhaltung des Bundesfernstraßennetzes,
kürzere Planungs- und Genehmigungsverfahren sowie neue
Formen öffentlich-privater Partnerschaften im Verkehrswegebau
aus. Keitel: "Diesen Herausforderungen muss sich die
Infrastrukturpolitik spätestens in der nächsten
Legislaturperiode stellen."
Auch im Internet abrufbar:
www.bauindustrie.de
Quelle: ots
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