Deutschland baut zu wenig
Wohnungen für ältere Menschen, Familien und Singles.
Die aktuelle Studie "Wohnungsmangel in Deutschland?"
des Eduard Pestel Instituts kommt zu dem Ergebnis, dass bis
zum Jahr 2025 bundesweit rund 400.000 Wohnungen jährlich
neu erstellt werden müssen. Tatsächlich gebaut wird
allerdings viel weniger: 2008 wurden nicht einmal 200.000
Wohnungen fertig gestellt. Die Folgen der zunehmenden Wohnraumknappheit
bekommen Menschen in Ballungsräumen wie München,
Stuttgart, Köln oder Hamburg bereits zu spüren:
Kaum bezahlbare Mieten, soziale Spannungen und keine barrierefreien
Wohnungen für die zunehmende ältere Bevölkerung.
Der Gesamtbedarf von rund 400.000 neu gebauten Wohnungen pro
Jahr ergibt sich einerseits aus demografischen Entwicklungen
wie dem Bevölkerungswachstum und der Veränderung
der Zahl der Haushalte, andererseits aus dem Umstand, dass
nicht sanierungsfähige Wohnungen komplett neu gebaut
werden müssen. Der sich aus der demografischen Entwicklung
ergebende klassische Wohnungsbedarf bis 2025 liegt bei durchschnittlich
200.000 Wohnungen pro Jahr. Bis zu den Jahren 2011 bis 2013
wird dieser Bedarf sogar auf gut 250.000 Wohnungen steigen.
Hinzu kommt das Problem, dass vor allem viele der in der Nachkriegszeit
errichteten Gebäude als nicht sanierungsfähig angesehen
werden können. Vorstände von Wohnungsunternehmen,
Architekten und Bauingenieure gehen davon aus, dass bei rund
20 Prozent der Wohnungen der 50er, 60er und 70er Jahre eine
Sanierung und Modernisierung nicht sinnvoll erscheint. Wirtschaftlich
günstiger sind hier Abriss und Neubau. Zusammen mit älteren,
nicht sanierungsfähigen Bauten ergibt sich hieraus ein
zusätzlicher Bedarf von 150.000 bis 200.000 Wohnungen
pro Jahr.
Der Wohnungsbau bewegt sich seit Jahren unter dem tatsächlich
benötigten Bedarf. Im Jahr 2007 wurden nur 210.700 Wohnungen
fertig gestellt, in 2008 lag diese Zahl sogar unter der Marke
von 200.000. Der Bundesverband Deutscher Baustoff-Fachhandel
e.V. (BDB), der BFW Bundesverband Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen
e.V. und die Deutsche Gesellschaft für Mauerwerksbau
e.V. (DGfM) sehen die Politik in der Pflicht, durch eine Verbesserung
der Rahmenbedingungen den Wohnungsbau zu beleben. Die Verbände
schlagen vor, die steuerlichen Abschreibungsbedingungen für
Wohngebäude zu verbessern, die Absetzbarkeit von Handwerkerrechnungen
von der Einkommensteuer auszudehnen und entsprechende KfW-Programme
zu erweitern.
"Wenn sich nichts an der aktuellen Wohnungsbaupolitik
ändert, ist das Grundrecht auf Wohnen in Zukunft nicht
mehr gesichert", so Dr. Hans-Georg Leuck, Vorsitzender
der DGfM bei der Vorstellung der Studienergebnisse in München
auf der Fachmesse BAU. "Wir fordern die Politik auf,
nicht nur auf die Modernisierung des Wohnungsbestandes zu
setzen. Der Abriss überalterter Bausubstanz und die Bebauung
mit neuen, zukunftsgerechten Wohnungen ist das Lösungskonzept
für die Zukunft. Deshalb ist die Ausweitung der KfW-Förderprogramme
für den Ersatz überalterter Bauten dringend notwendig."
"Um dem Wohnungsmangel zu begegnen und Senioren und Familien
ein bezahlbares, selbstständiges und den Bedürfnissen
entsprechendes Wohnen zu ermöglichen, müssen private
Investitionen in den Wohnungsbau gefördert werden",
fordert Walter Rasch, Präsident des BFW. "Die Attraktivität
von Wohnraum als Anlageform muss gestärkt werden. Im
Rahmen des Konjunkturpakets II der Bundesregierung fordern
wir die Wiedereinführung einer degressiven AfA für
energieeffiziente und altersgerechte Gebäude. Darüber
hinaus wäre eine Zuschusslösung in Höhe von
4.500 Euro, befristet bis 2010, für jeden der ein Eigenheim
neu errichtet oder anschafft ein wichtiger Beitrag, um die
Menschen beim Erwerb von Wohneigentum zu unterstützen."
"Die notwendigen Investitionen in den Wohnungsbau setzen
gleichzeitig wichtige Impulse für die Konjunktur",
sagt Stefan Thurn, Präsident des BDB. "In der aktuellen
wirtschaftlichen Schwächephase kann der Wohnungsbau als
nach wie vor größte Bausparte stimulierende Effekte
auf die gesamte Wirtschaft ausüben. Seit jeher ist die
Bauwirtschaft ein Motor, der die Konjunktur zum Laufen bringt
und ihre Entwicklung stabilisiert."
Beauftragt wurde die Studie von drei Verbänden der Bau-
und Immobilienwirtschaft: dem Bundesverband Deutscher Baustoff-Fachhandel
e.V. (BDB), dem BFW Bundesverband Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen
e.V. und der Deutschen Gesellschaft für Mauerwerksbau
e.V. (DGfM). Basis der Auswertung ist die Datenbank Genesis
der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder
sowie Experteninterviews mit Architekten, Bauingenieuren sowie
Geschäftsführern und Vorständen von Wohnungsunternehmen.
Weitere Informationen zur Studie finden Sie unter: www.dgfm.de
; www.bdb-bfh.de;
www.bfw-bund.de.
Die ausführliche Studie mit Kommentaren und regionalisierten
Daten wird im Februar 2009 veröffentlicht.
Über den Bundesverband Deutscher Baustoff-Fachhandel
e.V. (BDB)
Der BDB vertritt die Interessen von über 900 Mitgliedsfirmen,
die im vergangenen Jahr an 2.200 Standorten mit über
41.000 Beschäftigten einen Umsatz von 13,3 Milliarden
Euro erzielten. Der Verband hat am 1.1.2009 seinen Sitz von
München nach Berlin verlegt, um dort die Interessen gegenüber
den Zielgruppen Politik, Industriepartner, Planer und Handwerker
zentral zu positionieren. Zu den Kunden des Baustoff-Fachhandels
zählen Profikunden wie Bauunternehmen und Handwerker
ebenso wie private Bauherren.
Über den BFW Bundesverband Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen
e.V. Dem Bundesverband Freier Immobilien- und Wohnungsunternehmen
als Spitzenverband der unternehmerischen Wohnungs- und Immobilienwirtschaft
gehören derzeit rund 1.600 Mitglieder und verbundene
Unternehmen an. Sie verwalten momentan einen Wohnungsbestand
von rund 3,2 Millionen Wohnungen sowie Gewerberäume von
insgesamt
10,4 Millionen Quadratmeter Nutzfläche.
Über die Deutsche Gesellschaft für Mauerwerksbau
e.V. (DGfM)
Die DGfM ist der Dachverband der Mauerstein erzeugenden Industrien.
Die Gesellschaft vertritt die gemeinschaftlichen Interessen
des Mauerwerksbaus. Rund 80 Prozent aller Wandkonstruktionen
im deutschen Wohnungsbau werden im Mauerwerk errichtet. Als
Wirtschaftsverband wahrt die DGfM die Interessen ihrer Mitglieder
etwa gegenüber Bauordnungsbehörden und nimmt technisch
wissenschaftliche Aufgaben sowie die technische Interessenvertretung
im Bereich der nationalen und europäischen Normung wahr.
Derzeit repräsentiert die DGfM 225 Firmen mit einem Jahresumsatz
von über 1,1 Milliarden Euro.
Quelle: ots |
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