| Noch ist Bulgarien
das einzige EU-Land ohne eine einzige komplett fertiggestellte
Autobahn. In der Vergangenheit gab es immer wieder Skandale
um EU-Fördermittel und um Diskriminierung bei Ausschreibungen.
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Nachdem sich dadurch
große Autobahnprojekte wiederholt verzögerten,
stehen nun mehrere Vorhaben kurz vor dem Start. "Deutsche
Unternehmen werden in Bulgarien gerne gesehen", betont
ein ehemaliger Mitarbeiter des Bundesverkehrsministeriums,
der heute Berater der Nationalen Agentur "Straßeninfrastruktur"
(NAPI) in Sofia ist.
Das größte Bauvorhaben ist die nach einem
Fluss benannte Autobahn "Struma" mit einem Projektwert
von 600 Mio. Euro. Die Trasse verläuft von Pernik in
Richtung Griechenland. Nachdem der erste Teil der Strecke,
von Pernik nach Dolna Dikania, bereits fertig gestellt wurde,
sollen nun die restlichen 133 km zur griechischen Grenze ausgebaut
werden. Die Teilabschnitte von Dolna Dikania nach Dupnitsa
(Los 1) und von Sandanski nach Kulata (Los 4) werden voraussichtlich
noch 2009 ausgeschrieben. Der Bau dieser Abschnitte soll in
der ersten Hälfte 2010 beginnen. Danach folgen die Abschnitte
2 und 3. Finanziert wird das Projekt zu 80% mit Mitteln aus
dem Operationellen Programm "Transport" der EU.
Den Rest steuert der Staat bei, wie bei den Operationellen
Programmen der EU üblich.
Die Maritza-Autobahn wird ebenfalls zum Großteil mit
Mitteln aus dem EU-Fördertopf finanziert. Sie führt
von Parwomaj, einer Stadt südöstlich von Plovdiv,
über Chaskowo nach Swilengrad, an der Grenze zu der Türkei.
Die Bauarbeiten für die fehlenden 67 km sollen in der
ersten Hälfte 2010 beginnen. Die Ausschreibung wird voraussichtlich
noch 2009 veröffentlicht. Sowohl an der Struma-Autobahn
als auch an der Maritza-Autobahn finden vor dem Baubeginn
noch archäologische Ausgrabungen statt.
Noch nicht offiziell bestätigt ist die EU-Finanzierung
für ein rund 110 km langes Teilstück der Trakia-Autobahn,
die von Sofia über Stara Zagora und Sliven nach Burgas
am Schwarzen Meer führt. Aus Brüssel sollen aber
schon positive Signale bezüglich der Fördermittel
gekommen sein. Zwei Abschnitte der Trakia-Autobahn werden
in Kürze erneut ausgeschrieben, nachdem die bisherigen
Ausschreibungsverfahren nach einer Klage eines ausländischen
Unternehmens wegen Diskriminierung annulliert werden mussten.
Dabei handelt es sich um die gut 30 km lange Strecke von Stara
Zagora nach Nova Zagora (Los 2) und um den knapp 40 km langen
Abschnitt von Nova Zagora nach Jambol (Los 3). Zum ersten
Mal ausgeschrieben werden soll die rund 40 km lange Strecke
von Jambol nach Karnobat (Los 4). Die Strecke von Karnobat
bis zum Schwarzen Meer wurde bereits von dem Unternehmen Dogus
Insaat gebaut. Ebenfalls fertig ist das Teilstück Sofia-Stara
Zagora.
"Die Geschäftschancen im Rahmen der anstehenden
Ausschreibungen sind für deutsche Unternehmen sehr gut",
betont der Verkehrsexperte Claus-Dieter Stolle. "Die
Bulgaren wünschen sich deutsche Unternehmen, die Verlässlichkeit
und Qualität nach Bulgarien bringen." Der ehemaliger
Mitarbeiter des Bundesverkehrsministeriums wurde im Oktober
2008 von der stellvertretenden Ministerpräsidentin Bulgariens
persönlich als Berater der Nationalen Agentur "Straßeninfrastruktur"
(NAPI) nach Sofia gerufen. Damals stand die bulgarische Behörde
ganz besonders in der öffentlichen Kritik. Der Verkehrsexperte
soll die anstehenden Autobahnprojekte ins Rollen bringen und
dabei "für Ordnung und Pünktlichkeit nach deutschen
Maßstäben" sorgen, so die Arbeitsanweisung
der stellvertretenden Ministerpräsidentin, Dr. Meglena
Plugtschieva. Der Fachmann ist direkt dem bulgarischen Behördenleiter
unterstellt. Allein in der NAPI-Zentrale in Sofia arbeiten
zirka 250 Mitarbeiter. Landesweit sollen über 2.000 Mitarbeiter
für die Behörde tätig sein.
Nicht nur die bulgarische Politik und Öffentlichkeit,
auch bulgarische Bauunternehmen äußern verstärkt
den Wunsch nach einem größeren Engagement deutscher
Firmen auf dem Balkan. "Es besteht großes Interesse
seitens bulgarischer Unternehmen, im Rahmen der umfangreichen
Infrastrukturvorhaben mit deutschen Partnern zusammenzuarbeiten",
weiß Nadja Teoharova vom Hauptverband der Deutschen
Bauindustrie in Berlin. Auf Einladung der bulgarischen Baukammer
wird der deutsche Verband daher mit Mitgliedsunternehmen Ende
März 2009 eine dreitägige Delegationsreise nach
Sofia unternehmen.
Quelle: Germany Trade and Invest, Ansprechpartner: Frau
Wolf, Tel. 0221 / 2057-214.
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