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Deutschlands Beton bröckelt

Wer saniert morgen unsere Bauwerke? Eine Spezialbranche bietet beste Berufschancen.

Das Münchner Olympiastadion hat sie schon hinter sich, der Berliner Fernsehturm war schon vor zehn Jahren dran, zuletzt auch die East-Side-Gallery, der Rügenbrücke steht sie noch bevor: die Betonsanierung. In den kommenden Jahren stehen zahlreiche Instandsetzungsarbeiten an, doch der Branche mangelt es an Fachkräften. Spezialisierte Facharbeiter haben daher besonders gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt. Trotz neuer Technologien bleibt Beton nach wie vor einer der wichtigsten Baustoffe im Hoch- und Tiefbau. Doch nichts hält ewig. Auch nicht Beton. Um die Gebrauchstauglichkeit und Standfestigkeit von Gebäuden und Bauwerken sicherzustellen, ist eine fachkundige Sanierung gealterter und geschädigter Betonbauteile unerlässlich. Dabei sind spezielle Fachkenntnisse gefragt. Ausbildungszentren und Lehrbauhöfe der Bauwirtschaft bieten darum Speziallehrgänge an, in denen der sogenannte SIVV-Schein erworben werden kann. SIVV-Lehrgänge vermitteln Kenntnisse über spezielle Verfahren der Betoninstandsetzung. Die zweiwöchige Weiterbildung setzt sich zusammen aus theoretischem Unterricht und praktischen Aufgaben. Am Ende steht eine schriftliche und gegebenenfalls mündliche Prüfung, in der die erworbenen Kenntnisse nachgewiesen werden müssen.

Abwechslungsreiche Tätigkeiten

"SIVV steht für Schützen, Instandsetzen, Verbinden und Verstärken von Betonteilen und beschreibt damit die vielfältigen Tätigkeiten des Beton-Instandsetzers", erklärt Andreas Koch- Martin, Geschäftsführer des Lehrbauhofs Berlin. Abwechslungsreich ist auch das Spektrum der Arbeitsfelder: Brücken- und Hochbausanierungen, Instandsetzung von Ingenieursbauten, Wasserbauwerken, Trinkwasserbehältern, Klärwerken und Rohrsystemen sowie Sanierungsarbeiten an denkmalgeschützten Bauwerken benötigen SIVV-Spezialisten.

Gute Zukunftsaussichten

Betonbauteile sind in regelmäßigen Abständen zu schützen und gegebenenfalls zu sanieren. Das betrifft im Moment vor allem Bauwerke aus den 60er und 70er Jahren. Da in dieser Zeit verstärkt mit naturbelassenem Beton, d. h. ohne einen entsprechenden Schutzanstrich gearbeitet wurde, bröckelt es in Deutschland an vielen Stellen. Mit dem wachsenden Sanierungsbedarf steigt auch die Nachfrage nach SIVV-Spezialisten. Hinzu kommt, dass Unternehmen, die Aufträge für Betonsanierungen annehmen, die ständige Anwesenheit eines SIVV-Schein-Inhabers auf der Baustelle garantieren müssen. "Die Arbeitsmarkt- und Karrierechancen für Beton-Instandsetzer sind momentan ausgesprochen gut", so ib-Geschäftsführer Hans Joachim Rosenwald. "Und auch in Zukunft werden Experten gebraucht, denn auch heutige Betonbauwerke müssen instand gehalten werden. Die technischen und chemischen Verfahren werden dabei zunehmend komplexer." Aus diesem Grund muss der SIVV-Schein-Inhaber alle drei Jahre seine Kenntnisse durch Nachschulungen aktualisieren. Damit wird sichergestellt, dass die Inhaber des Scheins auf dem aktuellen Stand der Technik sind.

Notwendige Voraussetzungen

Facharbeiter, die den SIVV-Schein erwerben möchten, müssen mindestens über drei Jahre Berufserfahrung in der Betonverarbeitung verfügen. In der Regel sind es Maurer, Beton- und Stahlbetonbauer. Aber auch Facharbeiter mit verwandten Berufsausbildungen, wie zum Beispiel im Maler- und Lackiererhandwerk oder dem Bautenschutz, haben Zugang zur SIVV-Ausbildung. Eine weitere Voraussetzung ist das Absolvieren eines Vorkurses. Darin müssen bereits einschlägige Kenntnisse nachgewiesen werden. "Außerdem sollten die Anwärter des SIVV-Scheins über eine schnelle Auffassungsgabe verfügen und ein allgemeines Interesse an Chemie, Physik und Baustoffkunde mitbringen", empfiehlt der Geschäftsführer des Berliner Lehrbauhofs. Der Lehrgang ist gebührenpflichtig und erfordert eine zweiwöchige Arbeitsfreistellung. Interessierte sollten sich daher frühzeitig mit ihren Vorgesetzten abstimmen.

Weiterführende Informationen

Der SIVV-Lehrgang sowie die regelmäßigen Nachschulungen werden deutschlandweit von 15 Ausbildungszentren und Lehrbauhöfen angeboten. Eine Liste der Einrichtungen sowie Kontaktdaten und weitere Details zu den Lehrgängen finden Sie auf der Website der Bundesgütegemeinschaft Instandsetzung von Betonbauwerken: www.betonerhaltung.com. Umfassende Beratungen bieten auch die Agentur für Arbeit und der Deutsche Beton- und Bautechnikverein an.
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