Wie Facebook und Co. unsere Arbeitswelt verändern |
| von Ansgar Lange |
| Angelika Slavik vertritt in einem Artikel jedenfalls die These, dass die Arbeitswelt von morgen "Extrovertierte, Exoten und Selbstdarsteller" bevorzugt. Der heutige berufliche Nachwuchs erlebe "meist eine wilde Melange aus einem projektbezogenen Werkvertrag hier, einer befristeten Pauschale anderswo, ein bisschen Freelance, ein bisschen Stipendium". Die Autorin vertritt die These, dass mit dem Wandel der Arbeitsverhältnisse hin zu immer kürzeren und lockeren Verbindungen Arbeitnehmer immer häufiger zu Auftragnehmern würden. Von dieser Entwicklung profitierten in erster Linie diejenigen, die beim schnellen ersten Blick gut aussehen. |
Kreation der Marke "ICH" |
| "Die Vermarktung der eigenen Leistung ist dann Teil des beruflichen Alltags, sie muss als zentraler, unverhandelbarer Bestandteil des eigenen Jobs verstanden und akzeptiert werden", schreibt Angelika Slavik. Ein relevanter Teil der Arbeitszeit werde künftig nicht mehr für die eigentliche Leistung, sondern für die Kommunikation derselben draufgehen. In Zukunft gehe es darum, sich immer stärker um die eigene Positionierung zu kümmern, Nischen zu besetzen und sich von der Konkurrenz abzuheben. In einer hektischen Zeit wie der unseren bliebe nur Zeit für kurze Botschaften. Die Kreation der Marke "Ich" werde immer bedeutsamer. Personalberater Michael Zondler, Geschäftsführer von Centomo in Sindelfingen, hält diesen Ansatz für viel zu einseitig: "Bestimmte Sparten wie Marketing, Vertrieb und Einkauf mögen diejenigen Bewerber anziehen, die Lust am großen Auftritt und vor allem über kommunikative Fähigkeiten verfügen. Aber auch in diesen Bereichen wird schnell klar, was Blendwerk und was Substanz ist. Bei einem Arzt oder Ingenieur ist so etwas aber undenkbar. Spätestens nach der ersten missglückten OP wird klar, dass man einem Blender aufgesessen ist. Man könnte polemisch sagen: Wenn Sie wenig inhaltliche Substanz zu bieten haben, werden Sie heute vielleicht noch Buchhalter bei einer "Bad Bank". Dort macht es ja augenscheinlich nichts aus, wenn Sie sich um ein paar Milliarden Euro verrechnen. Die eigene Profilierung auf Xing, Facebook, LinkedIn oder in anderen sozialen Netzwerken ist sicher wichtig - aber sie wird in Zukunft nicht alles sein. Denn nur mit Blenden kann niemand eine harte Ausbildung, ein anspruchsvolles Studium oder herausfordernde Praktika meistern. Dass Menschen oft Blendern auf den Leim gehen, bestätigt hingegen der Autor Florian Willet. Er ist der Meinung, dass ein Säugetier seine Natur nicht innerhalb von ein paar Tausend Jahren verändert: "Schauen Sie jederzeit bei Schopenhauer und Nietzsche nach und verschaffen Sie sich einen Eindruck über deren Verbitterung darüber, dass Menschen leichtgläubig Blendern folgen und über offenbar so wenig eigene objektive Urteilsfähigkeit verfügen. Schauen Sie bei zahlreichen bekannten griechischen Philosophen nach, die vor dreitausend Jahren über selbiges frustriert waren. Schauen Sie sich den Verlauf der Geschichte an, zwischen den Alten Griechen und heute oder zwischen Schopenhauer und heute. |
| Sofern und soweit Menschen in diesen Zeiträumen Blendern gefolgt sind, werden Sie es auch von heute an in der Zukunft tun." Was sich verändert habe, sei das Phänomen der Informationsgesellschaft. Die Erfolgsintervalle von Blendern werden kürzer, weil sie schneller überführt werden, so Willet. Ihre Schwachstellen sind aufspürbarer als früher, weil sie im Internet und sonst wo im Leben Spuren hinterlassen haben. Zudem gibt es viele schlaue und täuschungsresistente Internetnerds, die heute vernetzter als ihre Vorgänger sind im Sinne von Schwarmintelligenz hervorragend zusammenarbeiten. "Anonymous", "Wikileaks" und die vielen unbekannten Investigatoren die Guttenberg und Koch-Mehrin um ihre Jobs gebracht haben, sind tolle Beispiele dafür", meint der Autor. Willet hält viel von Mark Zuckerberg und seinen Visionen: "Ich vertraue diesem Mann! Privatsphäre wird bald Vergangenheit sein. Davon profitieren all jene, die rein gar nichts zu verstecken haben." Problematisch seien jedoch große Geldvermögen, mithilfe derer Reiche und Mächtige noch immer Kampagnen auffahren und Stimmungen zu ihren Gunsten schüren könnten. Aber auch das habe es schon in der Vergangenheit gegeben. |
Quelle: wirtschaft.pr-gateway.de |




