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Beschäftigte wandern laut Gewerkschaftsumfrage weiter ab

16.04.2012

Beschäftigte wandern laut Gewerkschaftsumfrage weiter ab

Sachsen-Anhalter verdienen 77 Prozent von West-Einkommen

-- Von Young-Sim Song --

Magdeburg (dapd-lsa). Fast ein Drittel der Beschäftigten in Sachsen-Anhalt ist laut einer Gewerkschaftsumfrage zu einem Umzug bereit, wenn sie dafür mehr Geld verdienen. IG-Metall-Bezirksleiter Hartmut Meine sagte am Mittwoch in Magdeburg, angesichts des Fachkräftemangels seien immer weniger Menschen bereit, für Billiglöhne zu arbeiten. Er berief sich dabei auf eine von IG Metall und DGB vorgestellte Befragung von mehr als 1.100 Beschäftigten aller Branchen.

Meine fügte hinzu, schlechte Arbeitsbedingungen im Land provozierten eine weitere Abwanderung von Fachkräften. Der Gewerkschaftler appellierte an die Unternehmen, den Wettbewerb um gutes Personal nicht zu verlieren und sich für flächendeckende Tarifverträge und geregelte Arbeitsverhältnisse einzusetzen.

Die Beschäftigten in Sachsen-Anhalt verdienten der Erhebung zufolge mehr als 20 Jahre nach der Wende immer noch lediglich 77 Prozent des durchschnittlichen Einkommens in Westdeutschland, kritisierte Meine. 44 Prozent der Arbeitnehmer erhielten weniger als 1.500 Euro brutto Monatslohn im Vergleich zu 31 Prozent in den alten Bundesländern. Der Umfrage nach ist das auch kein Phänomen von Dienstleistungsberufen wie Friseure, in der Gastronomie oder bei Wachdiensten. Auch in der Produktion bekommen demnach noch 33 Prozent der Vollbeschäftigten weniger als 1.500 Euro.

Zwtl.: Armut trotz Arbeit

Der Landesvorsitzende des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB), Udo Gebhardt, sagte: "Das Land Sachsen-Anhalt ist ein Niedriglohnland" mit geringer Tarifbindung. "Immer noch wandern mehr ab als zu." Die Zahl der Minijobs habe sich in den vergangenen zehn Jahren auf 207.000 verdoppelt. 160.000 Menschen steckten in Teilzeit-Arbeitsverhältnissen. Die rund 28.000 Zeitarbeiter machten 3,1 Prozent der Beschäftigten aus, was einem Spitzenwert im deutschlandweiten Vergleich entspreche. Zudem müssten 70.000 arbeitende Sachsen-Anhalter zusätzlich mit Hartz-IV aufstocken.

Meine sagte, die Beschäftigten würden aber angesichts des Fachkräftemangels selbstbewusster. Immer mehr Arbeitnehmer bildeten Betriebsräte und forderten bessere Arbeitsbedingungen.

"Vernünftige Löhne sind das A und O", sagte Sachsen-Anhalts Arbeitsminister Norbert Bischoff (SPD). Dass es immer noch so viele arbeitende Sachsen-Anhalter gebe, die nicht von ihrem Einkommen leben könnten, sei "mehr als blamabel für unser Land". Der Vorsitzende der Linksfraktion im Landtag, Wulf Gallert, kritisierte angesichts der Umfrageergebnisse, dass sich eine gesetzliche Mindestlohngrenze von 8,50 Euro bei öffentlichen Aufträgen nicht durchsetzen konnte. "Armut trotz Arbeit, das ist für viele im Lande bittere Realität", sagte Gallert.

dapd / ys / ncl / hs /1

  Quelle: Young-Sim Song / dapd


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