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Der Bauboom birgt Risiken

03.04.2019

Podiumsdiskussion der Hamburger Bau- und Ausbauwirtschaft

Hochkonjunktur in der Hamburger Bauwirtschaft:

Mehr als 100 Gäste nahmen am 28. März 2019 an der Podiumsdiskussion der Hamburger Bau- und Ausbauwirtschaft (HBAW) Teil. Gemeinsam mit dem Hamburger Finanzsenator Dr. Andreas Dressel und weiteren Experten wurden Ursachen und Folgen der weiter steigenden Baupreise analysiert.

„Die Bauwirtschaft bestimmt die Preise für den Wohnungs- und Straßenbau und -ausbau nicht Allein“, so Michael Seitz, Sprecher der HBAW. „Die höheren Preise in der Hamburger Bau- und Ausbauwirtschaft sind vor allem auf gestiegene Löhne, teurere Baumaterialien und höhere Transportkosten zurückzuführen.“

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Einen weiteren Preistreiber im Wohnungsbau sieht Bauwissenschaftler Dietmar Walberg, Geschäftsführer der Arbeitsgemeinschaft für zeitgemäßes Bauen e.V. Kiel, in den gestiegenen gesetzliche Anforderungen im technischen Ausbau: „Der wesentliche Kostentreiber im Wohnungsbau ist nicht die Primärkonstruktion (Rohbau)sondern mit Abstand der Technische Ausbau“, führt Dietmar Walberg aus. „Seit dem Jahr 2000 sind die Baukosten für die Errichtung eines Quadratmeters im Wohnungsbau um 61 Prozent gestiegen. Die Baupreise sind in dieser Zeit um 41 Prozent gestiegen. Die Bau- und Ausbauwirtschaft verhält sich auch in der Zeit des Baubooms vernünftig.“

Inzwischen seien die Baupreise so stark gestiegen, dass erste Projekte auf Eis gelegt worden seien oder sich zumindest stark verzögern, erklärt Dirk Hünerbein, Chefprojektentwickler bei Unibail-Rodamco-Westfield. „Die stark steigenden Baukosten sind schon länger für die gesamte Branche und auch für uns zu einer Herausforderung geworden. Die Auftragsbücher der Generalunternehmer und Baufirmen sind gut gefüllt und die Kapazitäten schrumpfen kontinuierlich.“ Diesen Umständen gilt es frühzeitig, strategisch und kreativ zu begegnen. Für das südliche Überseequartier wird beispielsweise ein eigenes temporäres Betonmischwerk errichtet, um soweit als möglich von der Anlieferung von Flüssigbeton unabhängig zu sein.

Olaf Demuth, Vorsitzender des Bauindustrieverbands sieht die Politik in der Pflicht. Sie müsse für die entsprechende Planungssicherheit sorgen, damit das Bau- und Ausbaugewerbe Fachkräfte ausbilden und einstellen kann. „Nur dann werden die Firmen den Kapazitätsaufbau weiter aktiv vorantreiben“, bekräftigt Olaf Demuth seine Forderung.

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Von links nach rechts: Matthias Iken, Hamburger Abendblatt; Dietmar Walberg, ARGE Kiel; Senator Dr. Dressel; Dirk Hünerbein, Unibail-Rodamco-Westfield;
Dietrich von Saldern, von Saldern Gruppe; Olaf Demuth, Zech Group; Tim Batzer, Werner Batzer Straßen- und Tiefbau.

Klare Worte fand auch Finanzsenator Dr. Andreas Dressel. Seiner Einschätzung nach wird sich die Lage nicht entspannen, denn der öffentliche Bedarf an Bauleistungen für den Wohnungs- und Straßenbau, für Brückensanierungen sowie den Schul- und Hochschulbau bliebe ungebrochen hoch. Gerade beim Wohnungsbau müssen aber aufgepasst werden, dass die Kosten stabil bleiben. „Alle Beteiligten in Politik, Verwaltung und Wirtschaft sind dabei gefragt, einerseits die Preisspirale nicht weiter zu beschleunigen – und andererseits kreative Lösungen zu finden, damit der Wohnungsbau bezahlbar bleibt“, führt der Präses der Finanzbehörde aus. Das beträfe auch Fragen der Grundstückspolitik ebenso wie ganz aktuell das Thema Systembauten.

Den Aspekt der steigenden Rohstoffkosten behandelte Betonlieferant Dietrich von Saldern. Vor allem Sand und Kies für Beton blieben in Deutschland Mangelware. „Natürlich freuen wir uns über die hohe Nachfrage und die damit verbundene gute Auftragslage sowohl in der Logistik als auch in der Betonproduktion“, bekennt der Geschäftsführende Gesellschafter der Saldern Gruppe. „Ein enormer Anstieg der Produktionskosten ist jedoch eine der resultierenden Schattenseiten.“ Die aktuelle Rohstoffknappheit und die notwendigen Importe beispielsweise aus Skandinavien trieben die Preise in die Höhe. Ebenso beeinflussen die Lkw-Maut und der vorhandene Personalmangel die Logistik nachhaltig. Alles zusammen lasse die Baukosten steigen.

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Michael Seitz (l.), Sprecher der Hamburger Bau- und Ausbauwirtschaft mit Finanzsenator Dr. Andreas Dressel.

Fotos: Toni Momtschev

Für den Straßen- und Tiefbau sei es besonders wichtig, dass die Baunachfrage der öffentlichen Hand verstetigt wird, wünscht sich der Geschäftsführer der Werner Batzer Tief- und Straßenbau GmbH Tim Batzer. Dies beträfe sowohl den Umfang der Investitionen der öffentlichen Hand in den nächsten Jahren, aber vor allem auch die Verteilung der Arbeiten über das Jahr. „Momentan starten zu viele Projekte erst in der zweiten Jahreshälfte oder müssen zwingend in den Ferien durchgeführt werden“, begründet Batzer, der gleichzeitig im Vorstand der Bau-Innung Hamburg und Norddeutscher Baugewerbeverband e.V. sitzt, seine Forderung.

Über die Hamburger Bau- und Ausbauwirtschaft
Das Bündnis vereint sieben Hamburger Verbände aus der Bau- und Ausbauwirtschaft und hat sich zum Ziel gesetzt, die Bedeutung dieser wichtigen Branche für Wirtschaft und Gesellschaft in Hamburg bekannter zu machen. Die Mitglieder dieser Verbände repräsentieren circa 1.500 Unternehmen mit rund 20.000 Mitarbeitern und annähernd drei Milliarden Euro Jahresumsatz.

Das Bündnis setzt sich aus den folgenden Verbänden zusammen:

Bauindustrieverband Hamburg Schleswig-Holstein e.V.

Norddeutscher Baugewerbeverband e.V.

Fachverband Garten-, Landschafts- und Sportplatzbau Hamburg e. V.

Dachdecker-Innung Hamburg

Innung Sanitär Heizung Klempner Hamburg

Metall-Innung Hamburg

Verband der Baubranche, Umwelt- und Maschinentechnik e. V. (VDBUM)

  Quelle:


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