zurück

E-Busse können mehr als nur Fahren

26.07.2022

Nämlich auch als Energiespeicher dienen, wie ein Projekt nun zeigt


Mal produzieren Windräder viel Energie, mal wenig. Um die Schwankungen auszugleichen, werden Speicher benötigt. Der Busbestand wird in immer mehr Bundesländern kontinuierlich „elektrifiziert“. Das kann man sich doch zunutze machen. Warum also nicht die Akkus von E-Bussen nutzen als Energiespeicher, wenn sie nicht im Einsatz sind? Ein vom Bundesverkehrsministerium gefördertes Forschungsprojekt probiert es aus.


Das Modell-Projekt


Das Projekt in Mecklenburg-Vorpommern erprobt derzeit ob Elektrobusse in den Ruhephasen – wenn sie also auf den Betriebshof stehen – dem Netz auch als Energiespeicher zu Verfügung stehen können. Sie würden damit Strom einspeisen wenn zu wenig Strom da ist und Strom aufnehmen wenn es zu viel davon gibt. Es wird vom Bundesverkehrsministerium derzeit mit über 3 Millionen Euro gefördert.


Wie genau funktioniert das? Viele Busse, wie etwa Schulbusse, sind nur einige Stunden am Tag in Betrieb und benötigen Strom. Die restliche Zeit verbringen sie auf dem Betriebshof und können dort als Energiespeicher dienen.


Jeder Bus benötigt dafür seinen eigenen Stellplatz in einem Carport und mit einem Stromanschluss, bei dem Strom in beide Richtungen fließen kann – eine Sektorenkopplung. Darunter versteht man, dass unterschiedliche Sektoren wirtschaftlicher Tätigkeiten miteinander verknüpft werden. Hier ist das der Sektor Verkehr mit dem Sektor Energiewirtschaft, insbesondere mit Strom.


Die Busse können am Stellplatz digital angesteuert werden, um Strom zu ziehen oder zu liefern. Damit wird das Netz entlastet und die Netzkosten gesenkt.


Besonders an Wochenenden, wenn weniger Busse im Einsatz sind und gleichzeitig die Wirtschaft weitgehend ruht, ist das Übermaß an Strom aus erneuerbaren Energien groß. Da eignen sich die auf dem Betriebshof stehenden Busse hervorragend als Energiespeicher.


Der Vorteil für Verkehrsunternehmen


Dieses Modell lohnt sich besonders für Verkehrsunternehmen. Der Batteriespeicher, der sowieso für die Nutzung des E-Busses angeschafft wurde, kann auch durch eine andere Nutzung bei sehr geringen Grenzkosten im Netz vermarktet werden, um so den Strom zu bezahlen oder im besten Fall sogar noch daran zu verdienen.


Die Busbatterie kann zu einem geringen Strompreis geladen werden wenn zu viel Strom da ist. Ist zu wenig Strom vorhanden speist die Busbatterie den Strom zu einem höheren Preis wieder ein. So profitieren sowohl der Netzbetrieb als auch die Busfirma. Hier ergibt sich somit eine langfristige Geschäftsmöglichkeit für Verkehrsunternehmen, die Strom bei einem Mangel gut wieder verkaufen können. Sogar die Notstromversorgung bei einem großflächigen Stromausfall kann von solchen Busspeichern übernommen werden.
Auch Gebiete mit wenig Bevölkerung – also auch wenig Stromverbrauch – aber viel Platz für Solarparks, Bushöfe und Ähnliches können mit einem beträchtlichen Stromexport Gewinne erzielen.

  Quelle: www.deutschlandfunkkultur.de


Gratis Gastzugang

Submissions-Anzeiger | Tageszeitung-Ad

Aktuelles
Seminarangebot

Baurecht- und Vergabeseminare