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FDP fordert BIM im öffentlichen Hochbau ab 2022: ein wichtiger und richtiger Impuls!

06.11.2019

von Dr.-Ing. Patrick Christ

Die Bundesregierung will mit dem Stufenplan Digitales Planen und Bauen die Digitalisierung der Baubranche vorantreiben. Die darin enthaltenen Vorgaben und Ziele beschränken sich jedoch zunächst auf den Tiefbau. Demnach sollen ab 2020 öffentliche Infrastrukturprojekte nur noch unter Einbeziehung von Building Information Modeling (BIM) ausgeschrieben werden. Der FDP-Bundestagsfraktion geht dies jedoch noch nicht weit genug. Die Parteiabgeordneten forderten daher vorige Woche die Bundesregierung in einem Antrag dazu auf, den Stufenplan auf den Hochbau auszuweiten und für diesen ab spätestens 2022 ebenfalls die Anwendung von BIM in Projekten der öffentlichen Hand verbindlich einzuführen.

Hintergrund für diese neue Forderung ist der nach Ansicht der Fraktion zu langsam voranschreitende Wohnungsbau in der Bundesrepublik. Die Digitalisierung des Bausektors soll hier Potenziale für eine höhere Effizienz freisetzen. Grundsätzlich lässt sich diesem Gedankengang nur zustimmen. Dass ein solcher Antrag allerdings erst jetzt gestellt wird, ist genauso befremdlich wie die Tatsache, dass die Bundesregierung in ihrem Stufenplan von 2015 nicht von vornherein auch den Hochbau miteinbezogen hat. Dieses Zögern und Hadern ist für Deutschland leider symptomatisch. Die deutsche Baubranche hat in puncto Digitalisierung jahrelang vor sich hingeträumt und hinkt etwa im Vergleich zur britischen Bauwirtschaft mehr als deutlich hinterher.

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Dr.-Ing. Patrick Christ, Gründer und Geschäftsführer der Capmo GmbH

Foto: Capmo GmbH

Auf der Insel wurde 2008 bereits die UK BIM Task Group von der britischen Regierung mit der Entwicklung eines Modells für die stufenweise Einführung von BIM im Vereinigten Königreich beauftragt. Die Früchte dessen waren unter anderem eine klare Definition einzelner BIM-Entwicklungsstufen sowie der verbindliche Einsatz der digitalen Arbeitsweise in öffentlichen Bauprojekten seit April 2016. Dies wohlgemerkt auf einem vergleichbaren Niveau (Stufe 2 des UK Maturity Model), wie es für deutsche Infrastrukturprojekte erst ab 2020 – ganze vier Jahre später – gelten wird.

Die Frage, warum ausgerechnet Deutschland, das international stets so stolz mit seinem technischen Knowhow wirbt, digital dermaßen auf der Strecke bleiben konnte, ist müßig: Politik und Branche haben hier schlicht „gepennt“. Umso mehr heißt es daher jetzt aufwachen und verstärkt die Digitalisierung am Bau vorantreiben. Der Fokus sollte dabei nicht auf BIM allein liegen. Dass die digitale Arbeitsmethode nicht längst in allen Baubetrieben verbreitet ist, hat schließlich seinen Grund. Entgegen der landläufigen Meinung ist BIM weit mehr als das reine Arbeiten mit 3D-Modellen. Vielmehr handelt es sich um eine ganzheitliche digitale Arbeitsweise, bei der gewerkeübergreifend an einem einzigen interdisziplinären Modell gearbeitet wird sowie sämtliche Daten über den gesamten Gebäudelebenszyklus erfasst und genutzt werden. Die Implementierung von BIM erfordert dementsprechend aufwendige Umstrukturierungen im Workflow, teure Mitarbeiterschulungen sowie hohe Anschaffungskosten für Hardware und Softwarelizenzen. Firmen müssen sich praktisch ein Stückweit neu erfinden, was Arbeit, Geld und letztendlich Zeit kostet. Aus diesem Grund gilt es unbedingt, neben der gebotenen Umstellung auf BIM, jetzt auch digitale Werkzeuge zu nutzen, die sofort anwendbar sind und einen unmittelbaren Effizienzgewinn auf der Baustelle bringen.

  Quelle: www.wundr.de


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