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Fenster für die Vereinten Nationen

30.11.2012

Der oberfränkische Unternehmer Peter Roth hat sich auf schusssichere Fenster spezialisiert - Kunden sind US-Botschaften und die UN

-- Von Michael Klug --

Nordhalben (dapd-bay). Rein äußerlich sind die Fenster in der kleinen Werkhalle im oberfränkischen Nordhalben keine Besonderheit. Mannshohe Rechtecke aus Stahl, an denen die überdimensionalen Seefrachtkisten, in die sie verpackt sind, noch das Spektakulärste sind. Dennoch haben es diese Fenster in sich. "Sie halten einen Anschlag mit TNT von bis zu 100 Kilo auf eine Entfernung von 15 Metern aus", sagt der Chef der Firma Roth GmbH, Peter Roth. Kunden der schuss- und sprengstoffsicheren Fenster sind die Vereinten Nationen und die USA.

140 Kilometer Schweißdraht pro Fenster

Viel darf Peter Roth über sein Produkt nicht sagen. Zu heikel sei das Thema Sicherheit - insbesondere für seine Auftraggeber aus Amerika, sagt der 47-Jährige. Nur soviel will er verraten: "Vor allem die Ecken sind besonders verstärkt. In jedem einzelnen Stück verbergen sich über 35 Kilometer Schweißnaht". Insgesamt bringt ein Hochsicherheitsfenster aus Nordhalben im endmontierten Zustand satte 200 Kilo auf die Waage.

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Foto: Michael Klug / dapd

Der Unternehmer Peter Roth posiert in seiner Fensterbau-Firma.

Viel lieber als die Fenster selbst zeigt Roth die Liste der Projekte, mit denen er dokumentiert, dass seine kleine Firma im einstigen Zonenrandgebiet Oberfranken längst ein global gefragter Spezialist. Flughafen-Tower, Militäreinrichtungen und Gebäude der Vereinten Nationen stehen darauf, allen voran ist die US-Regierung einer der häufigsten Auftraggeber. "Begonnen hat alles mit der US-Botschaft der USA in Bratislava. Seitdem werden wir immer wieder aus Übersee beauftragt", sagt Roth. Das Geschäft boomt derart, dass Roth vor drei Jahren sogar die Produktion verdoppelte.

Erhöhtes Sicherheitsbedürfnis bringt Aufträge

Es klingt makaber, aber ausgerechnet die Anschläge auf das World Trade Center in New York 2001 und das damit verbundene neue Sicherheitsbedürfnis in der Welt haben Roth zu den außergewöhnlichen Aufträgen verholfen - und das vom Vater in Wirtschaftswunderzeiten gegründete Unternehmen vor dem Untergang bewahrt.

Seit der Wende war Roth vor allem in Ostdeutschland beim Bau von Supermärkten, Autohäusern und Behörden tätig. Vor rund zehn Jahren brach dieser Markt aber zusammen. "Es gab nur noch wenige Aufträge und die gingen meist an billigere Firmen aus Osteuropa", sagt Roth. Just zu diesem Zeitpunkt bot ein Hersteller von Systemfenstern Roth die Hochsicherheitstechnologie an. Ohne zu überlegen sei er in das Geschäft eingestiegen, sagt Roth.

Das neue Geschäftsfeld brachte ihm und seinen 15 Mitarbeitern einige Umstellungen: Jede Schraube, jeder Dübel muss seitdem dokumentiert werden, jeder Zulieferer wird von den Auftraggebern überprüft. "Unsere Kunden wollen sichergehen, dass keine Abhörgeräte oder sonstige verbotene Dinge in die Fenster eingebaut werden können", sagt Roth.

Zudem werden die Fenster stichprobenartig in Freilandversuchen auf ihre schützenden Eigenschaften hin überprüft. Gleichwohl glaubt der Oberfranke aber nicht, dass die Fenster jemals den Ernstfall erleben werden. "Bislang hat auch noch kein Haus gebrannt, in das wir Brandschutzfenster eingebaut haben", sagt Roth.

 

  Quelle: dapd


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