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Küstenschutz verlangt immer mehr Kies aus der Ostsee

20.04.2012

Küstenschutz verlangt immer mehr Kies aus der Ostsee

Umweltschützer warnen vor Verlust wertvoller Meereslebensräume (Neu: mehr Benke, WWF, Bergamt Stralsund)

-- Von Ralph Sommer --

Stralsund (dapd-lmv). Der wachsende Aufwand im Küstenschutz an der deutschen Ostseeküste führt nach Ansicht von Experten zu einem immer größeren Bedarf an Sanden und Kiesen aus dem Meer. Während die Behörden angesichts von Klimaerwärmung und des damit verbundenen Anstiegs des Meeresspiegels für den Schutz überflutungsgefährdeter Küstensiedlungen keine Alternative zu regelmäßigen Strandaufspülungen sehen, warnen Umweltschützer und Meeresforscher vor dem Verlust wertvoller Meereslebensräume durch massive Baggerungen auf See.

Der Stralsunder Walforscher Harald Benke sagte am Mittwoch auf einem Forum im Meeresmuseum Stralsund, der zügellose Hunger nach Baustoffen aus dem Meer bedrohe auch ökologisch wertvolle Sandbänke und Riffe im Küstenmeer. Dort lebten Sandaale, die wiederum den vom Aussterben bedrohten Ostseeschweinswalen als Nahrung dienten. Zusätzliche Gefahren für die Meeressäuger gingen von den Lärmbelästigungen durch die Saugbagger aus.

Nach Angaben des zuständigen Bergamtes Stralsund stieg die Förderung mariner Kiese und Sande für den Küstenschutz von knapp 300.000 Tonnen im Jahr 1990 auf 1,7 Millionen Tonnen im Jahr 2010. Weitere fast drei Millionen Tonnen Kies wurden 2010 für gewerbliche Zwecke vom Meeresboden geschürft, unter anderem für den Bau der neuen Ostseepipeline, den Ausbau der Häfen Rostock und Mukran sowie den Bau von Straßen und Gewerbegebieten. Derzeit werde Kies aus 15 Meeresgebieten gewonnen, sagte Bergamt-Geologe Hanjo Polzin. Weitere 31 Betriebspläne seien bewilligt worden, mindestens 9 Anträge würden geprüft.

Kiesabbau führt laut WWF zu irreversiblen Schäden

Wegen der begrenzten Vorräte wächst der Druck zur Förderung von Kiesen inzwischen auch auf ökologisch wertvolle Meeresgebiete. Nach Angaben der Umweltstiftung World Wide Fund For Nature (WWF) entfallen bereits mehr als die Hälfte aller Antragsverfahren auf marine Schutzgebiete. Der WWF-Projektleiter Ostsee, Jochen Lamp, sagte, der Abbau führe zu irreversiblen Schäden, die komplette Wiederbesiedelung der Habitate dauere lange Zeit. Er verwies auf eine Bedarfsanalyse aus dem Jahr 1999, wonach die Kiesvorräte im Landbereich noch 99 Jahre reichten. Daher sollten Meeresgebiete maßvoll genutzt und Förderprojekte zum Beispiel gebündelt werden.

Dagegen ist die verstärkte Nutzung mariner Kiese nach Auffassung von Küstenschutzexperten unverzichtbar. Um küstennahe Siedlungsflächen zum Beispiel auf der Insel Usedom und der Halbinsel Fischland-Darß-Zingst langfristig zu erhalten, seien Strandaufspülungen regelmäßig und in zunehmendem Umfang erforderlich, sagte Knut Sommermeier vom Staatlichen Amt für Landwirtschaft und Umwelt Mittleres Mecklenburg.

Sommermeier sprach sich jedoch auch für eine begrenzte Offshore-Kiesgewinnung aus. So dürften immer nur maximal 50 Zentimeter mächtige Sedimentschichten abgebaggert werden. Zudem dürften abgeschürfte Gebiete mindestens 15 Jahre nicht mehr für die Kiesförderung genutzt werden. Untersuchungen an einer früheren Lagerstätte vor dem Darß hätten gezeigt, dass auf den eingeebneten Baggerspuren schnell wieder eine Wiederbesiedlung erfolge.

Der Experte schlug vor, vor der sich dynamisch verändernden Darß-Küste eine künstliche Sedimentfalle anzulegen und künftig auch geeignete Materialien aus Fahrwasservertiefungen für den Küstenschutz zu nutzen.

dapd / T2012041852599 / som / K2532 / mwa /1

  Quelle: dapd


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