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Von der Werkbank zum größten Markt der Welt

11.04.2012

Von der Werkbank zum größten Markt der Welt

China wandelt sich rasant vom Billigproduzenten zum Industrieland - Deutsche Unternehmen haben das erkannt und profitieren davon

-- Von Philipp Heinz --

Shanghai/Nanjing (dapd-bwb). An einer Werkbank sitzt eine junge Chinesin und steckt schwarze Plastikteile auf ein metallisches Gehäuse. Maschinen dröhnen Tag ein Tag aus, von weiter hinten hämmert es metallisch. Etwa handtellergroß sin die Lüfter, die zu Tausenden in der Werkhalle in Nanhui entstehen, einem Stadtteil von Shanghai.

Es ist das gängige Bild von China, das hier zu sehen ist: Etwa 300 Euro Monatslohn bekommen die Arbeiter, Handarbeit lohnt da noch, in der Fabrik des Mittelständlers ebm-papst aus Mulfingen in Baden-Württemberg, der Elektromotoren und Ventilatoren fertigt. Doch ein Blick in die nächste Werkshalle verdeutlicht, welchen Wandel China gerade durchmacht. Dort, nur wenige Meter weiter, ist der moderne Teil der Fabrik zu sehen: Ein Reinraum, in dem die Teile garantiert ohne Staub gefertigt werden. Der Geschäftsführer des Geschäfts in Shanghai, Helmut Schoeneberger, zeigt stolz auf Metallteile, die hier komplett mit Plastik umspritzt werden. "Da gibt es in China noch keinen Hersteller, der das kann", sagt Schoeneberger. "Noch nicht."

Zwtl.: Besser Qualität und mehr eigener Konsum

Die modernen Kühl-Ventilatoren verbrauchen wenig Strom und sind kaum größer als ein Puck beim Eishockey. Sie können zum Beispiel in Kühlschränken zum Einsatz kommen, dann bleibt mehr Platz für das Gemüsefach.

Die Werkshalle in Nanhui steht für zwei Entwicklungen, die China gerade durchmacht: Die Qualität der Produkte gleicht sich der im Westen an. Und die Firmen produzieren zunehmend für den Binnenmarkt. "China als verlängerte Werkbank ist nicht mehr da", sagt Schoenberger. Derzeit baut ebm-papst ein Entwicklungszentrum in China auf, aktuell beschäftigt die Firma mehr als 40 Entwicklungsingenieure in dem Land und seit 2010 lautet die Strategie, mit China und den Märkten ins Asien zu wachen.

Lange stand der Hinweis "Made in China" für Billigprodukte, im Zweifel hergestellt von ausgebeuteten Menschen und verbunden mit der Zerstörung der Natur. Doch die Volksrepublik setzt viel daran, davon wegzukommen. Die Löhne steigen drastisch, eine Sozialversicherung nach deutschem Vorbild ist gerade eingeführt worden, Unternehmen suchen händeringend nach Fachkräften, die Umweltauflagen werden schärfer. Mittlerweile ist China das Land, in dem weltweit die meisten Patente angemeldet werden.

Zwtl.: Das Image wandelt sich

China sei dabei, sein Image als Nachahmer der Welt abzustreifen und zu einem Innovationszentrum für ausgewählte Bereiche und Weltmarktführer beim Export von High-Tech und Informationstechnik zu werden, heißt es in einer Studie der Münchner Unternehmensberatung EAC. Darin geht es um die Frage, ob und wie es mit dem Aufschwung der wichtigsten Schwellenländer Brasilien, Russland, Indien und China - den sogenannten BRIC-Staaten - weitergehen wird. "Von allen BRIC-Staaten ist China am weitesten auf dem Innovationspfad vorangeschritten", sagt EAC-Berater Dietmar Kusch. Inzwischen gebe es mehr als 1.000 Zentren für Forschung und Entwicklung in China.

Viele ausländische Unternehmen sehen China nicht mehr nur als Produktionsort, sondern als riesigen Absatzmarkt, der eines Tages sogar wichtiger als die USA werden dürfte. Der deutsche Mittelständler Phoenix Contact, Spezialist für elektrische Stecker und für Automatisierungstechnik, setzt 90 Prozent der Produktion aus China auf dem lokalen Markt ab. Die High-Tech-Teile kommen zum Beispiel in Elektrobussen zum Einsatz, die den öffentlichen Nahverkehr umweltfreundlich machen sollen. Vor über zwanzig Jahren wagte sich die Firma aus dem nordrhein-westfälischen Blomberg nach China, umstritten war das damals.

Zwtl.: Keine Gefahr für den Stammsitz

Mittlerweile besteht das Team in der Millionenstadt Nanjing komplett aus Chinesen. Im vergangenen Jahr hatte die chinesische Holding in fünf Gesellschaften 1.600 Mitarbeiter, die 183 Millionen Euro Umsatz machten. Damit nicht genug: Phoenix Contact traute sich früh an den Aufbau einer Abteilung für Forschung und Entwicklung in China. Nicht jeder Ingenieur daheim in Deutschland fand das gut, denn die Angst vor dem Ausverkauf nach Fernost machte die Runde, wie die Verantwortlichen einräumen.

Doch bereuen musste den Schritt niemand. Der Wachstum in Asien ging nicht zulasten des Heimatstandorts. 2006 meldete die chinesische Tochter erstmals ein Patent an, die Wertschöpfungskette von der Entwicklung über die Produktion bis hin zur Logistik ist komplett. Die konsequente Ausrichtung auf den chinesischen Binnenmarkt habe sich ausgezahlt, sagt Frank Stührenberg, Geschäftsführer für den Vertrieb bei Phoenix Contact. Es sei so erfolgreich, "dass wir das Wachstum in China über den Ertrag finanziert haben".

  Quelle: dapd


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