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Wie ein Anruf das Licht anknipst

08.03.2013

Kommunen testen Wege der Energieersparnis - Belgershain zieht im Lemgoer Konzept gemischte Bilanz

Von Sandra Hottenrott

Belgershain/Lemgo (dapd-lsc). Die Nacht bricht in Belgershain herein. Doch im Ortsteil Threna blieben die meisten Laternen dunkel. In Zeiten knapper Kassen und kletternder Strompreise spart der 3.500-Seelen-Ort nahe Leipzig bei der Straßenbeleuchtung - wie inzwischen viele Gemeinden in Sachsen. Damit Nachtschwärmer trotzdem sicher nach Hause kommen, setzt Bürgermeister Thomas Hagenow (Freie Wählervereinigung) auf ein ungewöhnliches Konzept: Dial4Light - Licht per Anruf. Gut ein Jahr nach der Einführung im Ort ziehen Gemeindevater und Anbieter Bilanz.

"Das ist schon ein bisschen her", sagt Hagenow über seinen letzten Telefonanruf, um Straßenlaternen anzuknipsen. Profitiert vom Konzept habe er zuletzt Silvester. Damals griff ein Anwohner zum Handy und sorgte wieder für Beleuchtung und Feierstimmung. Wer nachts Licht auf bestimmten Straßen in Threna braucht, ruft kurzerhand eine Nummer an, und für eine Viertelstunde leuchten die Lampen wieder. Allerdings müssen sich die Bürger vorher mit Handy und Passwort im Internet registrieren. Außer den Telefongebühren entstehen dem Anrufer keine Kosten. Die Nummer ist online und mancherorts an Straßenlaternen ablesbar.

Interesse am Projekt reißt nicht ab

Entwickelt wurde Dial4Light von den Stadtwerken Lemgo. Angesichts der Sparzwänge in den Kommunen habe sich das Konzept seit dem Start 2007 zu einem wahren Exportschlager entwickelt, sagt Projektleiter Frank Bräuer. "Wir sind von vielen Kommunen und Stadtwerken überrannt worden." Neun Gemeinden haben das System mittlerweile installiert, Belgershain als einzige in Sachsen. "Nach wie vor ist das Interesse groß, es können weitere hinzukommen", sagt der 44-Jährige. Gezählt werde im Schnitt eine Schaltung pro Nacht und Strecke.

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Ortsbürgermeister Thomas Hagenow posiert  in der Gemeinde Belgershain im Ortsteil Threna mit seinem Handy vor einer Straßenlaterne. 

Foto: Jens Schlueter/dapd

Im beschaulichen Threna folgen fünf Straßen und rund 70 Lampen dem Prinzip. Von Mitternacht bis 4.00 Uhr morgens bleiben die Laternen aus Kostengründen abgeschaltet - es sei denn, ein Bürger nutzt sein Handy als Lichtschalter. Häufig passiere das aber nicht, räumt Bürgermeister Hagenow ein. "Zwischen 15 und 20 Mal im Monat ist viel" - für den Politiker ein Kritikpunkt.

"Radikalkur auf LED"

Das mittelsächsische Brand-Erbisdorf setzt unterdessen auf einen anderen Energiesparkniff. "Wir lassen alles weiterbrennen, senken nachts aber die Netzspannung", sagt Danny Braun vom Rathaus. Nach einer Einbrennphase mit 230 Volt hielten Energiespartrafos die Spannung auf letztlich 190 Volt konstant. "Wir kommen damit auf über 30 Prozent Energieeinsparung", erklärt der Fachmann aus dem Bauwesen, der die Kosten für die Straßenbeleuchtung derzeit auf über 250.000 Euro jährlich schätzt. Die Spartechnik ist bereits in Langenau und Brand-Erbisdorfer Zentrum im Einsatz. Die Schaltstelle an der Unteren Dorfstraße soll im Sommer nachgerüstet werden.

Auf LED- statt Natriumdampflampen schwört die Gemeinde Schmiedeberg im Erzgebirge. Demnach sind für zusätzliche Straßenbeleuchtung und Umrüstung auf Leuchtdioden 50.000 Euro im Jahreshaushalt veranschlagt. Die herkömmliche Lampe habe eine Leistung von 70 Watt, die LED-Leuchte etwa die Hälfte - so halbiere sich mit Leuchtdioden der Stromverbrauch, weiß Hagenow. Der Bürgermeister von Belgershain träumt bereits von einer "Radikalkur auf LED". Ob in dem kleinen Örtchen dann noch Licht per Anruf nötig sei, werde sich zeigen.

  Quelle: dapd


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