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Woran Sie als Chef in Schweden denken sollten

15.06.2018

Als deutsche Führungskraft in Schweden oder schwedischer Chef in Deutschland erlebt man oft große Unterschiede in der Management- und Geschäftskultur – besonders, was die jeweilige Meeting-Kultur und die Art und Weise, Feedback zu geben und zu erhalten, betrifft. Diese und viele weitere Kulturschocks wurden beim Managementseminar der Deutsch-Schwedischen Handelskammer Ende Mai diskutiert.

Sind Sie und Ihre Mitarbeiter ein ausbalanciertes Team, in dem sich alle gegenseitig Feedback geben, haben Sie lange Besprechungen, bei denen jeder seine Meinung kundtun darf, und sprechen Sie in der Kaffeepause auch gerne mal über Privates? Dann haben Sie eindeutig die schwedische Art, Mitarbeiter zu leiten, angenommen. Charakterisiert wird diese durch eine Geschäftskultur mit viel offener Kommunikation und einem starken Teamgefühl.

Sind Sie hingegen ein starker Verfechter von direkten Anweisungen und eindeutigen Entscheidungen und sehen wenig Bedürfnis darin, Feedback von ihren Mitarbeitern einzuholen, dann sind Sie offenbar mehr in der deutschen Managementkultur beheimatet. Kennzeichnend dafür sind eine ausgeprägte Machtdistanz und starker Individualismus.

Auch wenn sich Deutschland und Schweden geografisch sehr nahe sind, dürfen kulturelle Unterschiede also nicht außer Acht gelassen werden. Dies wurde beim Managementseminar der Deutsch-Schwedischen Handelskammer, organisiert in Zusammenarbeit mit Schwedens Führungskräfteorganisation Ledarna, am 24. Mai in Stockholm erneut deutlich. Deutsche, die eine Führungsposition in Schweden übernehmen und Schweden, die in ähnlicher Rolle nach Deutschland kommen, müssen schnell lernen, mit der neuen Geschäftskultur umzugehen, um das ausländische Team erfolgreich leiten zu können.

„Wenn man nach China kommt, weiß man, dass es dort anders sein wird als zu Hause, aber wenn man nach Deutschland fährt, ist man darauf nicht in gleichem Maße vorbereitet. Nach sechs Jahren in China und fünf Jahren in Deutschland weiß ich, dass man für die deutsche Seite eine ebenso lange kulturelle Ausbildung braucht wie für die chinesische“, berichtete Lars Nordblom, Geschäftsführer für Nordeuropa und das Baltikum bei Wacker Chemie. Fünf Jahre lang arbeitete Nordblom am Hauptsitz des deutschen Konzerns in München. „In Schweden kommuniziert man viel offener mit dem Chef als in Deutschland. Wer als Schwede nach Deutschland kommt, erlebt große Distanz. Darauf muss man vorbereitet sein“, sagte Ellen Schäfer, Key Account Manager Deutschland/Export beim schwedischen Unternehmen Vendig AB. Hierarchien sind in deutschen Unternehmen oft stark ausgeprägt und die Beziehung zum Chef ist bei Weitem nicht so entspannt wie in Schweden. Dies zeigt sich auch darin, wie man sich gegenseitig Feedback gibt. Auch wenn ein deutscher Chef seine Mitarbeiter um eine ehrliche Meinung bittet, wird doch vorausgesetzt, dass die Angestellten nicht geradeheraus sagen, was sie denken. Besonders dann nicht, wenn man nicht der gleichen Meinung ist.

Kein negatives Feedback für den Chef
„Wenn Sie Ihr deutscher Chef um Ihre ehrliche Meinung bittet, sollten Sie diese nicht direkt kundtun“, sagte Ellen Schäfer. „Aber als Schwede in Deutschland kann man dies vielleicht dennoch tun und auf die eigene ‚schwedische Art‘ verweisen. Das kann mitunter als positive Abwechslung aufgefasst werden, an die sich der Chef später erinnern wird“, meinte Lars Nordblom. „Ich habe einmal einen deutschen Chef in Schweden getroffen, der ganz begeistert vom Konzept Feedback war. Allerdings war er ganz und gar nicht darauf vorbereitet, dass seine Mitarbeiter auch ihm Feedback geben würden. Davon hielt er nicht viel. Wenn Sie als deutsche Führungskraft in Schweden einen Beschluss eigentlich schon selbst gefasst haben, ist es dennoch ratsam, die Meinungen der Mitarbeiter wertzuschätzen – oder zumindest so zu tun“, ergänzte Peter Berg, Management-Coach bei Ledarna. Und nicht nur für negatives Feedback gibt es deutliche Regeln. Auch positives Feedback wird in unseren beiden Ländern unterschiedlich gehandhabt. Seine Kollegen zu loben ist in deutschen Unternehmen beispielsweise recht ungewöhnlich.

„In Schweden gibt es sehr viel positives Feedback und man muss immer zuerst etwas Positives sagen, besonders wenn darauf dann negatives Feedback folgt. So etwas gibt es in Deutschland einfach nicht. Deutsche sind eigentlich immer nur darauf aus, zu kritisieren und zu verbessern, nicht zu loben“, fand Ellen Schäfer.

Viele unausgesprochene Regeln in Meetings
Besonders in Besprechungen läuft man oft Gefahr, in Fettnäpfchen zu treten – vor allem wegen der vielen unausgesprochenen Regeln, wie ein Meeting ablaufen sollte, an die sich alle, die in der gleichen Kultur „aufgewachsen“ sind, unbewusst halten. Während man in Deutschland zum Beispiel meist direkt auf den Punkt kommt, ähneln Besprechungen in Schweden eher allgemeinen Abstimmungen. „Meetings sind in Deutschland wesentlich strukturierter als in Schweden. Es gibt nur schwarz oder weiß und damit eine extreme Klarheit. Wer als schwedischer Chef nach Deutschland kommt, muss schnell lernen, auf den Punkt zu kommen und Beschlüsse deutlich zu vermitteln“, sagte Lars Nordblom.„Während in Schweden alle ihre Meinung sagen dürfen, ist es in Deutschland üblich, dass der Chef die finale Entscheidung fällt. Die Mitarbeiter erwarten geradezu, dass der Chef alleine entscheidet“, so Anne Geitmann, stellv. Bereichsleiterin Market Services bei der Deutsch-Schwedischen Handelskammer.

„Was haben wir denn jetzt entschieden?“
„Wenn man als Deutscher in einem schwedischen Meeting sitzt, kann es einem manchmal schwerfallen, zu verstehen, was gerade geschieht. Für die Schweden scheint alles klar wie Kloßbrühe zu sein, aber als Deutscher fragt man sich: Was ist los? Wie geht es jetzt weiter? Gibt es eine Deadline und wer ist für welche Punkte verantwortlich? Es ist schwer, überhaupt festzumachen, was man nicht versteht“, sagte Ellen Schäfer.

Auch in Besprechungen mit potentiellen Kunden ist es wichtig, sich der Unterschiede in der Art und Weise, wie man miteinander kommuniziert, bewusst zu sein. „Ein Deutscher kann zum Beispiel sagen: ‚Dieses Produkt ist für uns völlig uninteressant, das brauchen wir nicht.‘ Ein Schwede denkt vielleicht das gleiche, sagt aber stattdessen: ‚Das sieht ja spannend aus.‘ Als Deutscher darf man nicht glauben, dass die relativ positive Antwort der Schweden bedeutet, dass man interessiert oder der gleichen Meinung ist. Schweden in Deutschland dagegen müssen lernen, Dinge nicht persönlich zu nehmen und dass es für Deutsche ganz natürlich ist, einfach Klartext zu reden. Hinzu kommt, dass es in Deutschland sehr wichtig ist, seine Expertenstellung hervorzuheben. Das müssen Sie ständig in den Vordergrund rücken. Sind Sie Ingenieur, haben Sie einen Doktortitel – drucken Sie es auf Ihre Visitenkarte! Erzählen Sie so oft wie möglich, was Sie können“, erklärte Anne Geitmann.

Sprachkenntnisse sind wichtig
Obwohl sowohl Schweden als auch Deutsche oft gut in Englisch sind, ist es dennoch wichtig, vor Ort auch die jeweils lokale Sprache zu lernen. Dies betonten alle Teilnehmer der Podiumsdiskussion. „Lernen Sie die Sprache. Das signalisiert, dass man mit Ihnen rechnen kann, dass Sie sich anstrengen. Das hilft enorm. Man kommt in einem deutschen Unternehmen auch nicht weit, wenn man kein Wort Deutsch spricht. Denken Sie beispielsweise daran, dass alle offiziellen Dokumente immer auf Deutsch sind“, sagte Lars Nordblom an das schwedische Publikum des Seminars gewandt. „Für deutsche Führungskräfte kann es eine große Herausforderung sein, Schwedisch lernen zu müssen, um an den sozialen Aspekten des Arbeitslebens teilhaben zu können, auch wenn die Konzernsprache Englisch ist. Das Soziale ist ja sehr wichtig in Schweden. Die Fika-Kultur, Smalltalk über die Familie oder das Wochenende – das alles findet auf Schwedisch statt und funktioniert auf einer anderen Sprache wie Englisch einfach nicht richtig“, sagte Peter Berg.

Das Beste aus beiden Kulturen mitnehmen
Ein Vorteil an der Herausforderung, als Führungskraft im Ausland zu arbeiten, ist, dass man auf diese Weise seinen ganz eigenen Führungsstil entwickeln kann. Wenn man später einmal in sein Heimatland zurückkehrt, bringt man Erfahrungen mit, die einen bereichert haben. „Aus Schweden nehme ich mit, immer respektvoll mit allen umzugehen sowie die schwedische Art, Arbeits- und Privatleben zu organisieren. Das Tempo im Job ist hier genau richtig und es ist einfacher, eine gute Balance mit dem Privatleben hinzubekommen“, fasste Ellen Schäfer zusammen. „Aus Deutschland nehme ich mit, als Führungskraft direkt zu sein und hervorzuheben, welche Rolle der Chef in einer Organisation hat. Trotz der flachen Hierarchien in Schweden muss man auch hier fortwährend sicherstellen, dass die Mitarbeiter verstehen, dass man der Chef ist und was diese Rolle beinhaltet. Man muss nicht mit allen seinen Mitarbeitern bestens befreundet sein“, schloss Lars Nordblom ab.

  Quelle: www.handelskammer.se


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